Literaturkino

Seit dem 21. Januar 2005 treffen sich viele Film- und Literaturfreunde regelmäßig in unserem evangelischen Gemeindehaus, wo wir einmal im Monat Literaturverfilmungen zeigen, ausgewählt nach unterschiedlichen Aspekten, locker geordnet nach Themenkreisen (z.B. Poesie und Leben, Schuld und Sühne, Außenseiter, russische Literatur). 

Vor jeder Aufführung gibt es eine kurze Einführung, die u. a. auf den geschichtlichen Hintergrund, die Biografie des Dichters und auf wichtige Motive der Dichtung hinweist. Unser Ziel ist es ja, Verständnis für das Werk und seine Botschaft zu erlangen, indem wir Fragen stellen, aufmerksam machen auf die künstlerischen Mittel, die der Schriftsteller bzw. der Filmregisseur einsetzt, dabei den Blick zu schärfen für die Zusammenhänge. Indem wir unsere eigenen Erfahrungen und Gedanken damit verknüpfen und so den Bezug zu unserem Leben entdecken, indem wir uns reiben an einer Figur oder uns auch identifizieren mit ihr, vertiefen wir das Bewusstsein für fremdes und eigenes Leben, üben uns in Kritikfähigkeit und Toleranz, erweitern unseren Horizont. Jede Handlung, jede Figur und ihre Geschichte tragen auf unterschiedliche Weise dazu bei. Und in der Diskussion nach der Filmvorführung, die manchmal durchaus kontroverse Ansichten zur Sprache bringt, kommen wir uns zudem als Zuschauer näher, lernen uns besser kennen.

Der schönste Filmabend im Jahr ist für viele unserer Besucher der schon zur Tradition gewordene kulinarische Abend am ersten Freitag im Dezember. An wunderschön geschmückten Tischen (Gisela Gehre, Traute Schramm und Inge Maiterth unterstützen uns dabei mit ihren Ideen und ihrem Einsatz) darf man sich mit leckeren Speisen verwöhnen lassen, bevor ein heiterer Film aufgeführt wird, über den ausnahmsweise einmal nicht diskutiert wird, weil im Anschluss der Nachtisch wartet und noch ausgiebig mit den Tischnachbarn und anderen Besuchern geplaudert werden kann. 

So viele Jahre lang hat unser Publikum uns nun schon begleitet, uns bestärkt und Mut gegeben fürs Weitermachen. Diese Abende sind immer wieder bereichernd, beglückend für uns alle. Danke für Ihre Treue! Und neue Gesichter sind natürlich immer herzlich willkommen. 

Programm 2020 - Fremde Heimat

 

Was ist Heimat? 

Welche Vorstellungen, Gedanken, Bilder verknüpfen sich bei Ihnen, wenn Sie das Wort Heimat hören oder aussprechen? Sind diese Bilder eindeutig oder mischt sich ein Beiklang hinein, der etwas Ungeklärtes, Ambivalentes mitschwingen lässt?

Zumeist und zuerst denken wir beim Wort „Heimat" wohl an die Landschaft, den Ort, an dem wir geboren wurden, an dem wir geprägt wurden durch die Menschen unserer nahen Umwelt in unseren Anschauungen, unserem Verhalten, unserem Weltbild, den Ort, an dem wir unser Selbstverständnis gefunden haben. Die Welt ist hier vertraut, verlässlich, verständlich, sicher, ich bin heimisch in ihrer Sprache und Kultur, ihren Traditionen. Hier muss ich mich nicht erst beweisen, um dazuzugehören, hier bin ich zu Hause. So wird ein menschliches Grundbedürfnis nach Identität erfüllt. – Wir wissen jedoch von Menschen, die durch Kriege, Vertreibung, Flucht ihre angestammte Heimat verloren haben, dass es möglich ist, sich an einem anderen Ort eine zweite Heimat aufzubauen und anzueignen in einem Prozess, der allerdings Anstrengung und Eigenaktivität erfordert sowie die Bereitschaft und Offenheit der aufnehmenden Menschen. 

Unsere erste Filmreihe im Literaturkino 2020 (Januar bis September) trägt die paradox wirkende Überschrift Fremde Heimat". Damit ist bereits angesprochen, dass Sicherheit und Verlässlichkeit des Daseins am Ort des ursprünglichen Vertrauens verloren gehen können – auf sehr unterschiedliche Art und Weise, wie uns in den ausgewählten Filmen vor Augen geführt wird.

Edgar Reitz, dessen Film „Die andere Heimat. Chronik einer Sehnsucht" im März auf dem Programm steht, formuliert einmal: Heimat ist immer etwas Retrospektives. Ein Gefühl des Verlusts. – Wird uns demnach erst bewusst, was uns „Heimat" bedeutet, wenn wir diesen Ort des Kindseins verlassen oder verloren haben, also im Rückblick, in der Erinnerung?

Für die Menschen in Fontanes Roman „Vor dem Sturm" ist ihre angestammte Heimat bedroht, Preußen durch Napoleon gedemütigt und ausgeplündert. Nun aber erwacht ein neues Selbstbewusstsein, eine Neubesinnung, die bürgerliche Kultur entfaltet sich zu ihrer Blüte, erreicht auch die alte Ständegesellschaft und verändert sie. Fontane: Da war das arme, elende, halb dem Untergang verfallene Land nicht von Genie, wohl aber von Begeisterung durchleuchtet, von dem Glauben an die höhere Macht des Geistigen, des Wissens und der Freiheit (Pastor Lorenzen in Fontanes Roman „Stechlin"). – Der polnische Adlige Ladalinski hat seine von Russland besetzte Heimat verlassen, sich bewusst für den diplomatischen Dienst in Preußen entschieden, ringt darum, Preußen zu seiner zweiten Heimat machen zu können, gewinnen zu dürfen.

Doch treffen wir in unserer Filmreihe auch auf Menschen, deren Grundbedürfnis nach Sicherheit und Teilhabe an der Gemeinschaft in ihrem Heimatort nicht erfüllt wird. Die Welt ist hier nicht intakt genug, um einem jeden seinen Platz zum Leben zu gönnen. In Selma Lagerlöfs Novelle „Das Mädchen vom Moorhof" verliert eine junge Magd, schwanger von ihrem Brotherrn, ihren Ruf, muss den Ort verlassen. Nach ihrer Rückkehr jedoch zeigt sich, wie sie dabei einen Weg zur Selbstgewinnung gefunden hat.

In John Steinbecks Roman „Von Mäusen und Menschen" entwickeln zwei amerikanische Wanderarbeiter, die über Land ziehen und bei verschiedenen Farmern ihr karges Brot verdienen, nicht-ortsgebundene Träume von Heimat. Sie träumen von einer eigenen Farm irgendwo in den Weiten Amerikas, von einer Heimat, in der sie als unzertrennliche Freunde friedlich leben und arbeiten können. – Angesichts der Erfahrung von kleinstädtischer Enge und Bigotterie in Hermann Hesses Erzählung „Die Heimkehr" wird hinterfragt, wo denn die Heimat zu suchen sei, was sie ausmache, wie man sie finde. Denn in seiner Geburtsstadt fühlt sich der in seinen Heimatort nach langer Abwesenheit zurückgekehrte Geschäftsmann Schlotterbeck (Filmname: August Staudenmeyer) nicht mehr heimisch. Bei einer Außenseiterin am Ort findet er hingegen Verständnis und menschliche Nähe. Heimat ist für ihn nun nicht mehr die Stadt seiner Kindheit und Jugend, sondern eine Lebensmöglichkeit, gegründet auf dem Boden von Freundschaft, Liebe, Verständnis, Zugehörigkeit.

Die Romane leben von ihren nicht beschriebenen Bildern, die Filme, so Edgar Reitz, leben von den unsichtbaren Geschichten der Dinge und Menschen. Sowohl im Film wie auch in der literarischen Fassung seines Werks „Die andere Heimat – Chronik einer Sehnsucht" macht sich Edgar Reitz auf die Suche nach dem, was Heimat bedeutet.

Die ersehnte „andere Heimat" des im schäbigen, bettelarmen Hunsrückdorf Schabbach um 1843 lebenden Jakob, der von fernen Ländern träumt und jedes Buch liest, der die Sprachen der Indianer lernt, als Privatgelehrter studiert und damit die Grenzen eines Dorfbuben jener Zeit weit überschreitet, bleibt eine nie erfüllte Wunschvorstellung. Als der große Naturforscher Alexander von Humboldt ihn besucht und mitnehmen will, flüchtet Jakob, bleibt mit seiner unstillbaren Sehnsucht zu Hause in seinem engen Dorf im Hunsrück. So bleibt seine „Heimat" ein Sehnsuchtsort, ein Ort, der nicht bewohnt oder in Besitz genommen werden kann. Hier lebt der Geist der deutschen Romantik. 

Wenn auch Sie Freude daran haben, u. a. dem Begriff „Heimat" mit seinen verschiedenen Bedeutungen und Untertönen in ausgewählten Werken zu begegnen und dabei wohl auch nachzudenken über den eigenen Bezug zu diesem Wort, sind Sie herzlich eingeladen zu unseren Literaturkinoabenden. Auf Ihren Besuch freuen sich

                                                                                               Gudrun und Rolf Königstein

Termine 2020

  • add 24. Januar: Th. Fontane, Vor dem Sturm (1)

    Fontanes (im Jahre 1878 in Buchform erschienener) erster „Roman aus dem Winter 1812 auf 13", der Zeit der beginnenden Befreiungskriege gegen die napoleonische Fremdherrschaft, zeigt ein vielschichtiges Bild der preußischen Gesellschaft, des Adels wie der Bürger und Bauern. Den Hintergrund der Handlung, verfilmt unter der Regie von Franz Peter Wirth (D, A1984), bildet ein historisches Ereignis, die „Affäre" York. – Große weltgeschichtliche Ereignisse verbinden sich mit privaten Schicksalen, spiegeln sich wider in der Liebesgeschichte des adligen Studenten Lewin von Vitzewitz

    Im Schloss Hohen-Vietz im Oderbruch verbringt die Familie von Vitzewitz zusammen mit Freunden die Tage zwischen Weihnachten und Silvester. Berndt von Vitzewitz, der die napoleonischen Unterdrücker zutiefst hasst, will seine geliebte preußische Heimat befreit sehen. Er gründet eine Landsturmtruppe und ist entschlossen, notfalls auch ohne Zustimmung des zaudernden Königs, der noch Bündnispartner Napoleons ist, gegen die aus Russland zurückkehrenden Reste der Grande Armée loszuschlagen. Die patriotische Begeisterung hat weite Bevölkerungskreise erfasst. Berndts Sohn Lewin bleibt hingegen sehr kritisch, fühlt Mitleid mit dem Elend der Kriegsopfer. Nur in seinem literarischen Club „Kastalia" preist er in Gedichten Heldentum und Wagemut. Lewin ist hingerissen von seiner lebensfrohen polnischen Cousine Kathinka von Ladalinski, ist jedoch seiner großen schwärmerischen Liebe nicht gewachsen. Ihr Vater, polnischer Adliger, hat seine Heimat verlassen und sich für den diplomatischen Dienst in Preußen entschieden. Der junge Graf Bninski, polnischer Patriot und scharfer Kritiker Preußens, gewinnt Kathinkas Liebe, bringt sie dazu, mit ihm nach Paris zu fliehen.

     

    Lewin kehrt, nachdem sich seine Hoffnungen zerschlagen haben, nach Hohen-Vietz zurück, wo der Landsturm unter dem Oberbefehl des Generalmajors von Bamme sein Hauptquartier nimmt. Auch Lewin lässt sich von der Truppe rekrutieren. Bei einer Aktion dieses Landsturms, die wegen fehlender Unterstützung durch die regulären russischen Truppen scheitert, gerät er in Gefangenschaft. Bei seiner Befreiung wird sein Freund und Vetter Tubal von Ladalinski, tödlich verletzt. Lewins Schwester Renate, die Tubal liebte, wird unverheiratet bleiben. – Lewin aber verbindet sich mit der stillen, liebenswerten Marie Kniehase, die als verwaistes Kind einer Schaustellerfamilie zusammen mit den Vitzewitz-Kindern erzogen wurde und Lewin schon lange heimlich liebt. Mit dieser Heirat werden auch die Standesschranken durchbrochen.

  • add 7. Februar: Th. Fontane, Vor dem Sturm (3+4)

    Fontanes (im Jahre 1878 in Buchform erschienener) erster „Roman aus dem Winter 1812 auf 13", der Zeit der beginnenden Befreiungskriege gegen die napoleonische Fremdherrschaft, zeigt ein vielschichtiges Bild der preußischen Gesellschaft, des Adels wie der Bürger und Bauern. Den Hintergrund der Handlung, verfilmt unter der Regie von Franz Peter Wirth (D, A1984), bildet ein historisches Ereignis, die „Affäre" York. – Große weltgeschichtliche Ereignisse verbinden sich mit privaten Schicksalen, spiegeln sich wider in der Liebesgeschichte des adligen Studenten Lewin von Vitzewitz

    Im Schloss Hohen-Vietz im Oderbruch verbringt die Familie von Vitzewitz zusammen mit Freunden die Tage zwischen Weihnachten und Silvester. Berndt von Vitzewitz, der die napoleonischen Unterdrücker zutiefst hasst, will seine geliebte preußische Heimat befreit sehen. Er gründet eine Landsturmtruppe und ist entschlossen, notfalls auch ohne Zustimmung des zaudernden Königs, der noch Bündnispartner Napoleons ist, gegen die aus Russland zurückkehrenden Reste der Grande Armée loszuschlagen. Die patriotische Begeisterung hat weite Bevölkerungskreise erfasst. Berndts Sohn Lewin bleibt hingegen sehr kritisch, fühlt Mitleid mit dem Elend der Kriegsopfer. Nur in seinem literarischen Club „Kastalia" preist er in Gedichten Heldentum und Wagemut. Lewin ist hingerissen von seiner lebensfrohen polnischen Cousine Kathinka von Ladalinski, ist jedoch seiner großen schwärmerischen Liebe nicht gewachsen. Ihr Vater, polnischer Adliger, hat seine Heimat verlassen und sich für den diplomatischen Dienst in Preußen entschieden. Der junge Graf Bninski, polnischer Patriot und scharfer Kritiker Preußens, gewinnt Kathinkas Liebe, bringt sie dazu, mit ihm nach Paris zu fliehen.

     

    Lewin kehrt, nachdem sich seine Hoffnungen zerschlagen haben, nach Hohen-Vietz zurück, wo der Landsturm unter dem Oberbefehl des Generalmajors von Bamme sein Hauptquartier nimmt. Auch Lewin lässt sich von der Truppe rekrutieren. Bei einer Aktion dieses Landsturms, die wegen fehlender Unterstützung durch die regulären russischen Truppen scheitert, gerät er in Gefangenschaft. Bei seiner Befreiung wird sein Freund und Vetter Tubal von Ladalinski, tödlich verletzt. Lewins Schwester Renate, die Tubal liebte, wird unverheiratet bleiben. – Lewin aber verbindet sich mit der stillen, liebenswerten Marie Kniehase, die als verwaistes Kind einer Schaustellerfamilie zusammen mit den Vitzewitz-Kindern erzogen wurde und Lewin schon lange heimlich liebt. Mit dieser Heirat werden auch die Standesschranken durchbrochen.

  • add 13. März: Edgar Reitz, Die andere Heimat – Chronik einer Sehnsucht (Teil 1)

    Die Handlung des preisgekrönten Films spielt im Jahr 1843 im von Armut und Hungersnöten geprägten Hunsrück. Über Berge und Täler ziehen Kolonnen von Armutsflüchtlingen zum Rhein hinab, um von dort zu den Häfen mit Auswanderungsschiffen nach Südamerika zu gelangen. In seinem Film schildert Regisseur und Autor Edgar Reitz das Leben der Vorfahren der Familie Simon, deren Geschichte im 20. Jh. er in dem dreiteiligen Film-Epos „Heimat" 2013 auf die Leinwand brachte.

    Auch Jakob, der jüngere Sohn eines Schmieds aus dem Dorf Schabbach, träumt von der Fahrt über das Weltmeer, ist begierig, alles über das Land seiner Sehnsucht zu lernen, studiert die Sprachen der Indianer, malt sich romantische Abenteuer aus. So lässt er alle Grenzen, die einem Bauernjungen in dieser Zeit gesetzt sind, hinter sich. Seine Gedanken zum Aufbruch aus dem Hunsrück vertraut er detailliert einem Tagebuch an. Darin spiegelt sich auch das Lebensbild seiner Zeit.

    Jakobs Träume ziehen andere magisch an. Der Traum von einer anderen, einer besseren Heimat – jenseits von Hunger, Krankheit, Unfreiheit – bewegt sie alle, besonders aber Jettchen und ihre Freundin Florinchen. Jakob malt sich mit ihnen Geschichten aus, die hinwegführen aus der Enge und Kargheit in die Freiheit der Wildnis Südamerikas. – Als sein älterer Bruder Gustav aus dem preußischen Militärdienst zurückkehrt, wird sein Leben durch dessen Pläne erschüttert, lenken es in eine völlig unerwartete Richtung.

     

    „Reitz hat ein magisches Kinokunstwerk geschaffen. Die Kamera Gernot Rolls wirkt wie ein Zauberstab." (Welt.de) – „Eine Geschichte von universeller Gültigkeit" (Berliner Zeitung).

  • add 17. April: Selma Lagerlöf, Das Mädchen vom Moorhof

    Unter der Regie von Gustav Ucicky wurde 1958 die Novelle der schwedischen Autorin, die 1909 als erste Frau den Nobelpreis für Literatur erhielt, verfilmt.

    Am Ende des 19. Jahrhunderts spielt diese kleine Geschichte, in der eine in ihrem Heimatort verachtete junge Magd die Lästerzungen durch ihre Güte und Herzenswärme beschämt und sie lehrt, was menschliche Größe ist.

     

    Helga Nilsson vom Moorhof beginnt ihre Arbeit als Magd bei Per Eric Martinsson, der die naive junge Frau jedoch bald verführt. Als Helga schwanger wird, entlässt er sie. Sie verliert ihren Ruf, gilt nun als Flittchen, muss die Heimat verlassen, arbeitet bis zur Geburt ihres Sohnes in einer Fabrik in der Stadt. Mit ihrem Kind aber kehrt sie zu ihren armen Eltern zurück. Ihr Vater verlangt, dass sie vor Gericht ziehen und das Recht durchsetzen solle. Beim Gerichtstag leugnet Martinsson jedes intime Verhältnis mit seiner Magd ab. Sie aber bewahrt ihn vor einem falschen Schwur auf die Bibel, zieht ihre Klage zurück. Helgas Lage bleibt verzweifelt, sie will sich ertränken, wird jedoch von Gudmund Erlandsson gerettet, dessen Eltern bereit sind, die junge Frau als Magd einzustellen. Gudmund ist verlobt mit der verwöhnten Hildur, Tochter des Amtsmanns Lindgren. Hildurs Eifersucht auf Helga führt erneut zu ihrer Entlassung. – Kurz vor der Hochzeit betrinkt sich Gudmund mit seinen Freunden. Es kommt es zu einer verhängnisvollen Auseinandersetzung mit Per Martinsson, der am nächsten Morgen erstochen aufgefunden wird. Der Verdacht fällt auf Gudmund, der sich an nichts erinnert. Hildur sagt die Hochzeit ab. Helga jedoch kann Gudmunds Unschuld beweisen. Und da sie ihn schon lange heimlich geliebt hat, ist das Glück nach all den schweren Prüfungen nun endlich auch auf ihrer Seite: Gudmund entscheidet sich für Helga. 

  • add 08. Mai: John Steinbeck, Von Mäusen und Menschen

    Der in den 1930er Jahren, in den harten Jahren nach der Weltwirtschaftskrise, in Kalifornien spielende Roman des Literaturnobelpreisträgers (1937) wurde 1992 von Gary Sinise verfilmt. – Zwei amerikanische Wanderarbeiter, die über Land ziehen und bei verschiedenen Farmern ihr karges Brot verdienen, träumen ihren American Dream von einer eigenen Farm, von einer Heimat, in der sie friedlich leben können. Es ist die bewegende Geschichte einer tiefen Freundschaft, die Zusammenhalt, Fürsorge und Verantwortung über die eigenen Interessen stellt.

    Der bärenstarke, doch geistig behinderte Lennie (John Malkovich), gutmütig und ehrlich, ist seinem Freund George treu ergeben. Der gewandtere George denkt und sorgt für ihn. Beide brauchen einander, bewahrt ihre Freundschaft sie doch vor der Einsamkeit in der oft lieblosen, harten Umwelt.

    Die Freunde sind fluchtartig unterwegs auf der Suche nach neuer Arbeit. Lennie, der alles liebt, was schön und weich ist, und es auch berühren möchte, hatte das Kleid einer Frau angefasst, ließ nicht mehr los, sodass die Frau sich bedroht fühlte. – Eine mitgeführte Maus tötet er beim Streicheln versehentlich. – Unterwegs treffen die Freunde eine Vereinbarung für den Fall, dass Lennie erneut Probleme mit dem neuen Arbeitgeber bekommen sollte; und George gibt ihm Verhaltensregeln mit auf den Weg.

    Auf der neuen Farm gibt es bald Ärger mit dem misstrauischen Juniorchef Curley. Dessen gelangweilte Frau sucht Kontakt zu den Arbeitern, besonders zu dem hilflosen Lennie. Curleys schöne Frau fordert ihn auf, ihr weiches Haar zu streicheln. Er kann nicht widerstehen, langt kräftiger zu, kann nicht loslassen. Als die Frau zu schreien beginnt, gerät er in Panik, bricht ihr unbeabsichtigt das Genick. Er flüchtet zum mit George verabredeten Versteck am Flussufer. Nach dem Fund der Leiche machen die Landarbeiter Jagd auf Lennie. George findet ihn aber vorher, sucht ihn zu beruhigen, träumt ein letztes Mal mit ihm den Traum, der beide verbindet, tötet den Freund dabei jedoch mit einem Genickschuss, um ihn vor der Lynchjustiz zu retten. 

  • add 19. Juni: William John Locke, Der Duft von Lavendel

    Die Handlung unseres Sommerfilms (2004, Regie Charles Dance), die auf einer Kurzgeschichte von William John Locke basiert, spielt 1936 vor der faszinierenden Naturkulisse Cornwalls. Hier nehmen die beiden in die Jahre gekommenen Schwestern Ursula und Janet den schiffbrüchigen jungen Andrzej (Daniel Brühl) bei sich auf. Der junge Pole kann höchst virtuos die Geige spielen. Doch nicht nur damit berührt er die Herzen seiner beiden Retterinnen. Er weckt besonders bei Ursula längst vergessen geglaubte Gefühle und Träume von Jugend und frischem Verliebtsein. – Wir erleben komische und traurige Situationen, Szenen voll menschlicher Wärme und Poesie.

    Es kommt Bewegung in den gleichförmig gewordenen Tagesablauf der beiden alten Damen. Als Andrzej und die russische Malerin Olga Daniloff sich näherkommen, ruft dies ihre Eifersucht hervor. Olga bringt Andrzej nach London zu ihrem Bruder Daniloff, einem bekannten Violinsolisten. Ursula und Janet erhalten nach einer Weile einen Brief von ihm, dass er zusammen mit Daniloff ein Konzert geben werde, das auch im Radio zu hören sei. Die Schwestern reisen zu diesem Ereignis nach London, die Dorfbewohner verfolgen das Konzert am Radio im Haus der Schwestern. „Schöner und anrührender kann man nicht zeigen, was für ein verrücktes, verletzliches und wunderbares Ding ein Herz ist – egal, in welchem Alter." (B.Z.)

  • add 25. September: Hermann Hesse, Die Heimkehr

    Hesses 50. Todestag gab den Anlass zur Verfilmung seiner Erzählung „Die Heimkehr“ (1909) durch Regisseur Jo Baier (2012). Die Geschichte spürt der Frage nach, wo denn die Heimat zu suchen sei, was sie ausmache, wie man sie finde. Es geht um die Erfahrung von kleinstädtischer Enge und Bigotterie, doch auch um Verständnis und menschliche Nähe. Ort der Handlung ist das fiktive Gerbersau, hinter dem sich Hesses Geburtsstadt Calw verbirgt.

    – Nach jahrzehntelanger Abwesenheit kehrt Schlotterbeck (Filmname: August Staudenmeyer), ein im Ausland erfolgreicher Geschäftsmann, in seinen Heimatort zurück. Bei verschiedenen Anlässen und Begegnungen aber erkennt er die Engstirnigkeit und Unaufrichtigkeit der Menschen, die ihn zwar gern wegen seines Reichtums bei sich hätten, ihn zugleich aber hinter seinem Rücken anprangern, kritisieren, insbesondere, weil er sich einsetzt für eine von der Gesellschaft gemiedene alleinstehende Frau, die Witwe Entriß, die sich kümmert um ihre geistig verwirrte Schwägerin. Sie allein zeigt Verständnis für die Kranke, gibt ihr Halt. Katharina Entriß ist am Ort Zielscheibe von übler Nachrede, obwohl die Männer sie begehren. Zwischen Katharina und August, den beiden Außenseitern, entsteht eine engere Beziehung. Beide wollen am Ende Gerbersau, die fremd gebliebene Heimatstadt, verlassen. 

  • add 23. Oktober: E. M. Forster, Zimmer mit Aussicht

    Die Handlung des 1908 erschienenen gesellschaftskritischen Romans ist angesiedelt in Italien und England zu Beginn des 20. Jahrhunderts. In vielfältigen Abwandlungen wird in dieser Gesellschaftskomödie der Konflikt zwischen Natur und Kultur durchgespielt, zwischen Leichtigkeit, Gefühl, Sinnlichkeit – und Konvention, Verfeinerung, Lebensferne.

    – Die junge Lucy Honeychurch ist auf einer Bildungsreise in Italien zusammen mit ihrer Cousine Charlotte, die zugleich ihre Anstandsdame ist. Lucy trifft den unkonventionellen George Emerson, der bei den anderen Pensionsgästen als nicht standesgemäß gilt, verliebt sich in ihn, lässt sich während eines Ausflugs stürmisch küssen – und schockiert damit die prüde, steife Cousine Charlotte. – Zurückgekehrt ins wohltemperierte England und wieder in Kontakt mit ihrem leidenschaftslosen Verlobten Cecil Vyse, einem intellektuellen Snob, verdrängt Lucy ihre Italienerlebnisse. Doch George tritt erneut in ihr Leben – und damit erwachen wiederum Sinnenfreude, Spontaneität, Lebenslust in Lucy, die endlich zu ihren eigenen Gefühlen stehen kann. Sie heiratet George.

    Die Verfilmung durch James Ivory (GB 1986) stieß bei der Kritik auf ungeteiltes Lob. „Eine der besten Literaturverfilmungen, die es je gab" (Time Magazine); „ein Meisterwerk behutsamer Präzision“ (Dieter Krusche). Der Regisseur habe „sich seiner literarischen Vorlage mit spürbarem Respekt genähert“; es sei „ihm dabei gelungen, ihre Vielschichtigkeit zu bewahren und ihre literarischen Qualitäten unmittelbar ins Bild zu übertragen“.

  • add 13. November: Ephraim und das Lamm

    Der Film des äthiopischen Regisseurs Yared Zeleke, aufgeführt bei den Filmfestspielen von Cannes 2015, lässt uns am Schicksal des neunjährigen Ephraim teilhaben, der sein Heimatdorf im nördlichen Hochland Äthiopiens nach dem Tod der Mutter zusammen mit seinem Lamm Chuni verlassen muss.

    Märchenhafte Motive klingen an in der Geschichte. Schauplatz ist eine atemberaubende Landschaft mit grün bewachsenen Hügeln und bizarren Felsformationen. Fruchtbare Vulkanerde und ein warmes, trockenes Klima sind eigentlich gute Voraussetzungen für den Ackerbau. Doch das immer häufigere Ausbleiben des Regens bereitet große Sorge. Die vielen biblischen Vornamen weisen hin auf eine in alter Tradition verhaftete Gesellschaft. Doch zaghaft dringen Einflüsse der Moderne bis hierhin vor.

    Ephraim muss auf Geheiß des Vaters, der Arbeit in der Hauptstadt suchen will, zu Verwandten fernab seines Heimatorts, wo der Junge sich nicht wohlfühlt, denn er kann – erworben bei seiner verstorbenen Mutter – zwar wunderbar kochen, aber kaum die vom wenig sensiblen, engstirnigen Onkel Solomon geforderte Feldarbeit verrichten. Nur die Frauen hat er auf seiner Seite. Zu einem hohen Feiertag soll Ephraim sogar sein geliebtes Schaf zum Schlachten hergeben. Er bewahrt es vor der Opferung, schmiedet Fluchtpläne. Mit seiner Cousine Tsion, einem aufmüpfigen, lernbegierigen Mädchen, freundet er sich etwas an. Der Wille zur Veränderung treibt beide an. Tsion zieht fort in die Stadt, will studieren, fort von den im alten Denken verharrenden Menschen auf dem Land. Und auch Ephraim, der in kurzer Zeit seine Kindheit hinter sich lassen und erwachsen werden musste, weiß am Ende der Geschichte, wer er ist, was er kann und will. So bricht er hoffnungsvoll auf in eine noch ungewisse Zukunft – ohne sein Schaf, das jetzt in einer Herde lebt: „Ich kann nun nicht mehr auf dich aufpassen." 

  • add 4. Dezember: Kulinarischer Abend mit dem Film „Stille Nacht"

    Wir kommen an diesem besonderen Abend zusammen im adventlich geschmückten Gemeindesaal mit festlich gedeckten Tischen. Nach dem Hauptessen und vor dem Nachtisch wollen wir die Neuverfilmung der Entstehungsgeschichte des in der ganzen Welt bekannten Weihnachtsliedes „Stille Nacht, heilige Nacht" durch den österreichischen Regisseur Christian Vuissa (A, USA 2012) ansehen.

    Als Hilfspriester gelangt Joseph Mohr 1817 nach Oberndorf, erweist sich als engagiert und volksnah, möchte den in Armut lebenden Bewohnern neue Hoffnung geben. Pfarrer Georg Heinrich Nöstler hingegen, streng konservativ und unnachgiebig, stellt sich ihm überall in den Weg. Mohr trifft den Lehrer und Organisten Franz Xaver Gruber, mit dem er einen Kirchenchor gründet, der auf Deutsch statt auf Lateinisch singen soll. Zur Weihnachtsmesse möchte Mohr ein eigenes Chorlied einstudieren, er bittet Gruber, ihm für seinen bereits 1816 in Mariapfarr im salzburgischen Bezirk Lungau verfassten Stille-Nacht-Text die Melodie zu schreiben. Im Rahmen der Christmette 1818 wird das Lied von Franz Xaver Gruber und Joseph Mohr in der Kirche St. Nikolaus erstmals gesungen.

    Dieser Film „verzaubert sein Publikum mit beeindruckend gefilmten Bildern und interessanten historischen Details. ... besinnlich, klug und einfühlsam.“ (Kino.de)